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dinsdag 6 mei 2014

"Ich mache alles falsch"




...ganz oft sind das die ersten Worte von Kunden die zu mir kommen, wenn irgendetwas nicht klappt.
Im Dezember letzten Jahres bekam ich einen Anruf von einer Dame aus einer Großstadt in den Niederlanden die ihren Hund für ein paar Monate bei uns unterbringen wollte. Es ging um einen kleinen Hund, und er trieb sie buchstäblich in den Wahnsinn. Er attackierte Menschen und Hunde auf der Strasse, erzählte sie. Er attackierte Menschen die es wagten in den Fahrstuhl zu steigen wenn sie sich mit ihm darin befand – und da sie im vierten Stockwerk wohnt, passierte das mehrmals am Tag. Besuch empfangen ging auch nicht mehr. In öffentlichen Verkehrsmitteln, auf die sie angewiesen ist, wurde er hysterisch wenn jemand in ihre Nähe kam. Die Dame war überfordert und nervlich am Ende. Wir vereinbarten, dass der Hund zu uns kommt, bis sie sich soweit erholt hat, dass ein Neuanfang gemacht werden kann.

Als ich den Hund abholte und mit ihm durch volle und laute Strassen zum Auto lief viel mir auf, dass er fröhlich aufgeregt war und mit hoch erhobener Rute alles markieren wollte was in sein Blickfeld kam.
Bei uns stellte sich heraus, dass er ein fröhlicher, schnell aufgeregter und dann auch sehr bellfreudiger Hund ist, der aber ganz schnell begriff, dass wir leise besser finden. Grundsätzlich fand er alle Menschen und Hunde toll. Ein freundlicher kleiner Clown, mit Hang nach Hysterie.

Die kleine Maus hat 4 Monate bei uns gewohnt. Ich habe in der Zeit nicht mit ihm gearbeitet, da ich überzeugt bin davon, dass das mir vielleicht was bringt, aber dem Kunden gar nichts.
Letzte Woche war es dann so weit: er konnte wieder nach Hause. Mit der Kundin hatte ich vereinbart, dass wir gleichzeitig eine Trainingsstunde machen. Am Telefon wirkte sie unglaublich unsicher, sprach immer wieder ihre Zweifel aus ob sie das mit diesem Hund schaffen würde – sie hätte ja bis jetzt alles falsch gemacht. Bei ihr angekommen, schickten wir nach der ersten Begrüßungsfreude den Hund erstmal in sein Körbchen für ein Nickerchen. Vorher hatte ich darum gebeten, kein Spielzeug, Kauknochen usw herumliegen zu lassen, da dieser Hund sich schnell von Reizen aufregen lässt und schwer aus sich selbst in die Ruhe findet.
Die Kundin erzählte dann, dass sie zwei Hundetrainerinnen hatte, die festgestellt haben, dass der Hund sehr unsicher ist und viel Stress hat. Sie arbeiteten nach der Methode von Turid Rugaas, einer norwegischen Hundetrainerin die sich sehr lange mit der Kommunikation unter Hunden beschäftigt hat und herausfand, dass unter Hunden sogenannte Beschwichtigungssignale eingesetzt werden um Konflikten aus dem Weg zu gehen und Stress abzubauen.
Beschwichtigungssignale („Calming Signals“) können nach Rugaas zB sein: gähnen, schnüffeln, mit der Zunge über die Nase lecken, im Bogen gehen, sich abwenden, hinsetzen/hinlegen, strecken, Pfote heben und noch so einiges mehr.

Bei Wikipedia findet man einige Informationen über diese Theorie, unter anderem folgende Kritik: “Zahlreiche Wissenschaftler und Hundeexperten weisen darauf hin, dass die Interpretation der beschriebenen Verhaltensweisen als Beschwichtigungssignale nicht immer richtig ist und gefährliche Konsequenzen haben kann. Weidt/Berlowitz deuten viele dieser Verhaltensweisen als Signale innerer Konflikte und bezeichnen sie als Konfliktreaktionen. Sie weisen darauf hin, dass es sich um unwillkürliche Reaktionen handelt, die keine zielgerichteten Kommunikationssignale sind. In einer Diplomarbeit im Rahmen der Untersuchung frei lebender Haushunde in Italien wurde nachgewiesen, dass die als Beschwichtigungssignale bezeichneten Verhaltensweisen nicht den Charakter gezielter kommunikativer Gesten haben. An der Arbeit beteiligte Wissenschaftler bezeichnen den Umgang mit dem Konzept der Beschwichtigungssignale in Deutschland als „Beschwichtigungswahn“.“.

Meine Kundin hat 8 lange Monate nach dieser Methode mit ihrem Hund gearbeitet. Ihr wurde gesagt, der Hund könnte gar nichts lernen, weil er zu viel Stress hat. Also müsste erst der Stress abgebaut werden. Sie hat genauestens darauf geachtet, ob der Hund irgendein Beschwichtigungssignal zeigt – dafür belohnt man ihn dann. Sie musste – nicht nur mitten in der Großstadt, sondern in einer touristischen Hochburg – allem was ihm Stress macht aus dem Weg gehen. In diesen 8 Monaten hatte sich sein Verhalten nicht nur verschlechtert, es war doppelt so schlimm geworden. Beide waren tatsächlich im Beschwichtigungswahn und konnten schlussendlich nicht mehr normal funktionieren.

Wir haben angefangen mit der Türklingel. Die Damen der Beschwichtigung würden sich, wenn sie nicht mehr leben würden, im Grabe umdrehen, denn wir haben jeden Ansatz zur Tür zu stürmen beim Geräusch der Klingel beantwortet mit dem Wurf eines Schlüsselbundes gegen die Tür – um ihm dann die Lösung anzubieten sich in sein Körbchen zu verziehen und Mama alles weitere regeln zu lassen. Wir haben ihm also Stress bereitet wenn er territorial motiviert ausrasten wollte und ihm gezeigt, dass es einen Ort und ein Verhalten gibt wo er in Ruhe gucken kann was da so alles abläuft. Dann sind wir raus und haben uns auf einer Terrasse niedergelassen um Kaffee zu trinken. Der kleine Mann wurde unterm Stuhl seiner Besitzerin ins Platz gelegt und wenn er aufstand wurde er ganz beiläufig aber mit Nachdruck wieder hingelegt. Hunde kamen vorbei, Menschen kamen an den Tisch, er blieb liegen. Meine Kundin genoss den Moment – und die Voraussicht, zukünftig morgens entspannt mit Hund auf einer Terrasse sitzen zu können. Wir haben besprochen welche Position am Besten wäre wenn sie auf der Strasse angesprochen wird (hinter ihr im Sitz) und haben das dann auch im Fahrstuhl geübt. Ein grosser, fremder Mann erklärte sich bereit sein Leben zu wagen, stieg zu Frau mit Hund in den Fahrstuhl und kam nach einer Runde hoch und runter wieder heraus mit den Worten „ich habe überlebt“ :-). Wir haben über die Unterschiede zwischen Angst und Demutsverhalten gesprochen und wie man das am Hund sehen kann. Und wir haben besprochen, wie es weitergehen soll. Wie sie ihm die Struktur geben kann die er selber nicht anbringen kann, wie sie ihm die Sicherheit gibt, dass sie regelt was zu regeln ist und ihm deutlich macht, dass er darin keine Rolle spielt.

Meine Kundin ist eine intelligente, kompetente Frau mit viel Lebenserfahrung. Sie sagte mir, dass sie genau weiß, und immer wusste, dass es nicht ok ist, wenn jemand nur nach einer Methode arbeitet, egal ob es um Menschen oder um Hunde geht. Sie konnte es irgendwie nicht von sich selbst glauben, so lange etwas gemacht zu haben was nicht gut war. Aber so geht das, wenn man sich hilflos fühlt und Hilfe sucht. Jede Hilfe ist willkommen, man wendet sich schließlich an Profis und die arbeiten dann auch noch mit einer „wissenschaftlichen Methode“ – da bleibt nur der stetig wachsende Zweifel an der eigenen Kompetenz. Bis zur Verzweiflung, bis zum Burn-Out. Für den man dann auch noch gutes Geld gezahlt hat.

Gestern haben wir telefoniert. Meine Kundin hat schon verschiedene öffentliche Verkehrsmittel „durch“ – kein Problem mit Hundi unter ihrem Sitz. Auch die anderen Alltagssituationen gehen gut – er fragt ab und zu noch mal nach und das Recht hat er auch denn er hat das ganz lange so gemacht - sie unterbricht freundlich aber nachdrücklich seine Ansätze zu agieren und er akzeptiert das.

Meine Kundin kann es beinah nicht glauben. Ich finde es beinah peinlich. Das einzige was ich gemacht habe ist, sie von Büchern, einer Methode, einer Theorie,  einer Indoktrinierung  wegzuführen, zurück zu ihrem eigenen Bauchgefühl, zu ihrer Kompetenz, die die ganze Zeit schon da war. Zurück zur Normalität im Umgang mit ihrem Hund, der ganz normal, wenn auch ein wenig affektlabil ist.

Leider passiert mir das immer öfter. Und ruft in mir die Frage auf: bin ich dafür Hundetrainer geworden? Will ich eigentlich noch so heissen?

dinsdag 29 april 2014

Eine persönliche Stellungnahme

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Ich kann nicht existieren ohne Offenheit. Ohne klar zu sagen wo ich stehe und dazu zu stehen. Darum folgendes.

Als ich mein Studium zum Hundetrainer bei Canis begann war ich unglaublich glücklich dort gelandet zu sein. Fachlich und menschlich stimmte einfach alles und es herrschte die Atmosphäre einer Entdeckungsreise für alle. Wir Studenten entwickelten uns, Canis war auch noch in Entwicklung. Ich fühlte mich frei, es durften Fehler gemacht werden, sie waren sogar willkommen – die wichtigste Voraussetzung um lernen zu können. Angst vor Fehlern blockiert alles. Auch Diskussionen waren willkommen. Über Philosophien, Ansichten, Methoden – auch daran wächst und lernt man.

Nichts dauert ewig. Meine akademischen Eltern, die Gründer und wichtigsten Dozenten Michael Grewe und Nadin Matthews trennten sich und Nadin startete mit Dogument ein eigenes Unternehmen. Bei den vielen Fortbildungen die ich dort nach Absolvierung meines Studiums noch gemacht habe merkte ich jedes Mal, dass Nadin das Fach immer weiter entwickelte, sie war immer in Bewegung. Genau das was ich brauchte und suchte.

Vor zwei Jahren kamen auf einmal andere Signale von Leuten, die dort das vorbereitende Jahr für die Hundetrainerausbildung machten: Man müsste alle Dozenten zum Freund haben, sonst würde man bei der Zwischenprüfung sowieso durchfallen. Man traute sich nicht zu diskussieren, eine andere Meinung zu haben. Man hätte Angst, Kritik zu äussern. Man bekäme herablassende Reaktionen auf Fragen. Auf Grund meiner Erfahrungen habe ich nichts davon geglaubt.

Letztes Jahr hat, auf meine Empfehlung, meine Kollegin und Freundin Regina das vorbereitende Jahr bei Dogument gemacht – natürlich mit dem Ziel danach weiter zu machen mit der Ausbildung. Dann kam im Laufe des Jahres die Anmeldung zur Prüfung. Regina zweifelte stark daran, ob sie sich anmelden sollte – sie hatte das Gefühl, sie wäre nicht erwünscht.  Sie war bis auf die Knochen verunsichert – so habe ich sie noch nie erlebt.
Regina arbeitet seit Jahren bei mir. Erst im Hintergrund und seit einiger Zeit offiziell. Sie hat die Hundegruppe immer im Griff. Sie sieht alles, organisiert, schätzt neue Hunde ein, regelt Konflikte und wird von allen Hunden geliebt. Sie kann auch das was ich nicht so gut kann: einem Konflikt im Moment aus dem Weg gehen und erst nachdenken über die beste Lösung. Sie ist die einzige die mich vertreten kann. Seit letztem Jahr arbeitet sie auch mit in der Hundeschule, wo ihre Erfahrung als Sporttrainer mir wieder was beibringt – wie genau man schauen kann zum Beispiel. Also glaubte ich ihr nicht. Ich habe Regina gewiesen auf die Informationen zur Zwischenprüfung die sie bekommen hatte. Darin steht u.a.:
„Wozu die Auswahl nach einem Jahr?
Beide Ausbildungen (Dogwalking und Hundetraining) haben ein hohes Niveau.Die Ausbildung Hundetraining startet beispielsweise bereits im zweiten Modul mit Kundenkontakt. Wir möchten vermeiden, dass Menschen damit überfordert sind. Zudem ist der Markt im Hundetraining stark umkämpft und wir möchten, dass unsere Absolventen sich dort aufgrund ihrer Ausbildung durchsetzen können. Dazu braucht es neben den gelernten Inhalten auch mitgebrachte
Fähigkeiten. Somit investiert niemand in eine weitere Ausbildung ohne Erfolgschance im späteren Beruf.“
Und:
„Was können Gründe sein, um durchzufallen?
Für manche kommt die Zwischenprüfung und damit die weiterführende Ausbildung zu früh. Das Basicsjahr ist noch nicht verarbeitet und wichtige Entwicklungsprozesse sind noch im vollen Gang. Für manche ist die intensive Arbeit mit dem Menschen, wie sie bei dogument vermittelt wird, nicht der passende Weg. Oder man kann noch nicht persönlich in Kontakt treten mit einem Hund, kann sich noch nicht ausreichend in Menschen einfühlen, kann noch nicht ausreichend Rückmeldung geben, kann noch nicht ausreichend die Körpersprache des Hundes erkennen, kann noch nicht ausreichend Hunde einschätzen und mit ihnen entsprechend arbeiten.“
„So“, habe ich gesagt. Und warum zweifelst du jetzt??? "und ausserdem: anspruchsvoll zu sein ist wertvoll und hilft dem Beruf weiter. Aber den Doktor im Dogwalking oder den Psychotherapeut im Hundetraining brauchen wir ja wohl nicht?".
Ich habe ihr auch gesagt, dass Nadin mich schon lange kennt und wertschätzt, weiss wie ich arbeite und weiss, dass ich keinen hier arbeiten lasse und Verantwortung tragen lasse, der das nicht kann. Ich habe sie auch darauf hingewiesen, wie Nadin sich gefreut hat darüber, dass Regina die Ausbildung bei Dogument begonnen hat. Und ihr in Erinnerung gerufen, dass sie mir erzählt hatte, dass bei einem Anruf im Dogument Büro Nadin im Hintergrund gerufen hat „Regina besteht auf jeden Fall“. Und weil ich manchmal gern und viel rede, habe ich ihr auch gesagt, dass die Ausbildung ja noch beginnen muss – sie muss also nicht alles können, sonst bräuchte sie ja keine Ausbildung. Und bei der Zwischenprüfung wird auch für die Dozenten klar, wo sich bei jedem die Baustellen befinden...
Also meldete Regina sich an zur Zwischenprüfung.

Mitte Februar lag sie dann auf einmal im Krankenhaus. Schon seit Wochen hatte sie Schwindelanfälle und Sehstörungen. Die Diagnose: Kleinhirninfarkt, Hirnentzündung und zwei gutartige Tumore die aber schon länger da sein sollen und keinen Ärger machen. Trotzdem: sehr heftig. Mitte März war sie schon wieder auf der Arbeit – ein Wunder-  und auch die Dogument Seminare versäumte sie nicht, die Zwischenprüfung stand ja bevor. Und Mitte April war dann die Zwischenprüfung. Die bestand aus 5 Prüfungen. Die erste war eine Dogwalkerprüfung, bei der man einen fremden Hund einschätzt, vorbereitet auf das abgeleint dranbleiben und dann abgeleint mit ihm durchs Gehege geht. Der Hund war ein chinesischer Nackthund. Die Prüfung fand statt im strömenden Regen. Regina schätzte ein, dass er nicht dranbleiben würde – unter diesen Umständen hätte jeder Laie das feststellen können denke ich. Sie arbeitete mit dem Hund und er blieb sogar abgeleint bei ihr, bis auf die letzte Minute. Hut ab. Ich hätte ihn unter meine Jacke gepackt, die Prüfer Arschlöcher genannt und wäre nach Hause gefahren. Aber, man will ja nicht durchfallen. Für diesen Teil gab es ein „knapp bestanden“. Dann kam die theoretische Dogwalkerprüfung. Hier musste man was zu einem Video aufschreiben und durfte sogar Literatur und Notizen mitbringen. Jeder der lesen und schreiben kann hätte das also bestehen können. Regina hatte einen totalen Blackout. Sie konnte nichts mehr lesen und schreiben – ein paar Kritzels mit möglicherweise Unsinn kamen aufs Papier. Dieser Teil war dann auch nicht bestanden. Niemand interessierte sich übrigens dafür, warum das so war. Niemand von den Dozenten hatte vorher oder zwischendurch mit ihr gesprochen, wie ich menschlicherweise  erwartet hätte, gefragt wie es ihr geht, ob sie nach ihrer schweren Erkrankung überhaupt in der Lage ist die Prüfung mit allem Stress den so was mit sich bringt zu machen, ob sie zB extra Zeit braucht...
Die dritte und vierte Prüfung war eine theoretische Hundetrainerprüfung. Davon war eine „sicher bestanden“, die andere „knapp bestanden“. Die fünfte war eine praktische Hundetrainerprüfung bei der ein Hund eines Dozenten bei einem Pilonen abgesetzt werden musste,  2 Pilonen weiter abgerufen werden musste, beim mittleren Pilonen abgestoppt werden musste und dann ganz rankommen musste. Das klappte beim zweiten Durchlauf (2 Durchläufe waren erlaubt). Ergebnis „knapp bestanden“. Bei anderen die diesen Teil bestanden hatten, hüpfte der Hund auf den Schoss der Dozentin und kam nicht mehr runter – das war dann vielleicht „sicher bestanden“? In der Beschreibung der Prüfung steht: „WICHTIG: Die Hunde sind natürlich sehr unterschiedlich und ein erfolgreiches Bestehen ist nicht abhängig vom Ergebnis im Sinne von „Alles hat geklappt“, sondern von Deiner Art des Umgangs mit dem Hund und Deiner körpersprachlichen Umsetzung.“ . Vielleicht war Regina ja zu nett zu dem Hund. Merkwürdig, sehr merkwürdig.
Das Ergebnis der ganzen Prüfung, 1x sicher bestanden, 3x knapp bestanden und einmal nicht bestanden, ergab.... „nicht bestanden“. Als sarkastisches i-Tüpfelchen stand noch drunter: „sehr schade und wahnsinnig knapp“. Übrigens war es auch möglich mit 2x nicht bestanden zu bestehen, es war auch möglich überhaupt nicht zu bestehen aber doch zu bestehen, nämlich wenn man vorher „gesetzt“ war.
Ein Schlag ins Gesicht von Regina – und in meins. Für Regina im Wert von ca. € 6000.- . Regina´s Bauchgefühl hat ihr Recht gegeben – und ich habe es komplett ignoriert. Weil ich dachte, jemanden zu kennen, jemanden mehr geschätzt habe als verdient.

Auch mein eigenes Bauchgefühl habe ich verleugnet. So habe ich einmal einen Workshop für Dogument gemacht, der super gelaufen ist. Der auch noch weiter lief... nur danach habe ich überhaupt nichts mehr gehört. Auf einmal stand ich ungefragt auf der Dogument Seite als „neu im Team“ – und irgendwann war ich da genauso ungefragt wieder weg. Das fand ich schon komisch, eigentlich auch respektlos... aber auch hier, auf Grund früherer Erfahrungen, tat ich es weg als unwichtig...

Ich habe nun meine Konsequenz gezogen und jeglichen Kontakt mit Dogument verbrochen und blockiert. Mit solchen Menschen, denen Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit fehlt obwohl sie gerade diese Qualitäten predigen, will ich nichts zu tun haben. Fachlichkeit beinhaltet Menschlichkeit – wenn die fehlt, habe ich dort nichts mehr zu suchen. Und auch mit einer Angstkultur will ich nichts zu tun haben.

In letzter Zeit spreche ich ziemlich viele ängstliche und verunsicherte Menschen. Wer auch immer das liest: machs besser als ich, hör auf deinen Bauch. Wenn du dich nicht frei fühlst zu sein wer du bist, zu sagen was du willst weil du sonst nicht mehr dazugehören würdest: dreh dich um und geh. Zahl kein Geld um anderen zu gefallen. Geh zu einem Lehrer dem alles dran gelegen ist dich weiter zu bringen, statt zu einem dem du beweisen musst, dass du es wert bist weitergebracht zu werden. Wenn etwas nicht gut fühlt, warte nicht auf Veränderung. Es wird nicht besser werden. Sei nicht abhängig – von niemandem. Sei frei wie ein Vogel und singe dein Lied.

Und, last but NOT least: Ich bitte alle, denen ich nicht geglaubt habe und deren Gefühl ich weggeredet habe, um Verzeihung.

woensdag 5 februari 2014

Mein Facebook Video

woensdag 26 december 2012

Canis - Liebeserklärung

"Das Versprechen erneuern" ist vor allem in den USA eine Tradition. Nach einer gewissen Zeit der Ehegemeinschaft schaut man zurück, auf das gemeinsame Leben, auf die Beziehung und derer Entwicklung, und gibt sich aufs Neue das Ja-Wort.

Ich bin nicht mit Canis verheiratet. Aber ich liebe Canis und die Menschen die dazu gehören. Mein erstes Seminar bei Canis, die (damals noch 9-tätige) "Praktische Woche", fand statt in 2003. 4 Jahre später, in 2007, kurz vor der Abschlussprüfung, habe ich dann endlich das Pflichtprotokoll geschrieben. Es wurde eine Liebeserklärung. Heute, noch einmal 5 Jahre später, habe ich es wieder gelesen. Ich möchte es teilen, mit allen Menschen die sich dafür interessieren was Canis bedeutet und wie bei Canis gearbeitet wird. Ich möchte das Versprechen erneuern. Es ist lang - weil es so viel gibt das mich beeindruckt hat, gerührt hat, geprägt hat. Ich bin so dankbar dafür.

 

Protokoll

 “Praktische Woche”

  01.05.2003 – 09.05.2003

   
Marian Lamp

Hülmer Deich 98

47574 Goch

Einführung

Ein Protokoll eines Praktikums 4 Jahre später schreiben – ist das schlau? Vielleicht weniger. Erst einmal dieses Suchen nach den Aufzeichnungen. Der Angstschweiss bei der Vorstellung sie vielleicht garnicht mehr zu finden - vier Jahre, ein Umzug und mein ewiges Chaos?

Dann: gefunden – und schneller als ich dachte. Irgendwann eine Ordnungsphase durchlebt, befürchte ich.

Beim Lesen meiner Aufzeichnungen kommen mir die Tränen. Und weiss ich: dies ist genau der richtige Moment dieses Protokoll zu schreiben. So hat alles angefangen; beim Anfang der praktischen Woche wusste ich noch nicht einmal dass es ein CANIS-Studium gab und jetzt nähere ich mich dem Ende des Studiums. Alles wird rund...

Ich schreibe ein Erfahrungsprotokoll und folge meinen Aufzeichnungen. Was wir genau gemacht, besprochen haben, finde ich nicht so wichtig als meine Gedanken und Gefühle dazu.

Die Schellen die mir von den Augen gefallen sind und immer wieder die Erleichterung die ich fühlte. Die Last, die ich fühlte im Zusammenleben mit meinen Hunden und die sich veränderte in Leichtigkeit – aber nie in Oberflächlichkeit, im Gegenteil.

Im Folgenden werde ich pro Tag beschreiben, was gemacht und welche Themen behandelt wurden und dabei die Sachen benennen, die mich beeindruckt haben – denn die habe ich aufgeschrieben.

Abschliessend beschreibe ich was ich in der praktischen Woche gelernt habe und welche Veränderungen ich am Ende dieser 9 Tage an meinen Hunden wahrgenommen habe – und die Sachen die ich nie vergessen werde...

1. Tag
Ca. 25 Menschen mit noch mehr Hunden in einem Raum. Wenn das man gut geht...

Viele Hunde sind unruhig, meine auch. Vor allem Scotty piepst wenn er sich langweilt. Jeder Teilnehmer und die Seminarleitung (Nadin und Michael) stellt sich vor. Alle Teilnehmer erzählen warum sie dieses Praktikum machen, was sie für Hunde haben, was sie von diesem Praktikum erwarten.

Alles überschattend ist die Krankheit und der sich näherende Tod von Erik Ziemen. Ich hatte mich eigentlich für dieses Praktikum angemeldet weil er es leiten sollte. Erst kurze Zeit vorher erfuhr ich dass er krank war. Zu Beginn der praktischen Woche hiess es noch, Erik würde im Laufe der Woche doch kommen, wenn auch nur kurz. Leider war sein Zustand dann aber schon zu schlecht. Nadin, Michael und Bettina fahren regelmässig zu Erik. Sind hier und dort gleichzeitig. Sind voll für uns da, trotz aller Trauer. Chapeau.

Die Regeln werden besprochen. Mit dem Aufräumen des Hundekots und dergleichen kann ich gut leben. Dann aber: Die Hunde im Raum bitte nicht anfassen und nicht mit ihnen sprechen. Draussen bitte nicht füttern, d.h. keine Leckerlis.

Hilfe! Ich tue nichts anderes als Scotty zu streicheln, um ihn vom Fiepen und Piepsen  abzuhalten! Und Lucy stellt sich immer aufrecht gegen mich und kratzt mit der Pfote in meinem Gesicht, wenn sie sich langweilt. Wie soll denn das gehen? Ich werds abwarten, mal sehen wie es läuft.

Die von Michael und Nadin aufgeworfene Frage „wo bleibt der Spass“, taucht an diesem Tag zum ersten Mal auf und wird sich zu einem Motto dieser praktischen Woche entwickeln...

2. Tag
An diesem Tag wird vor allem vorgetragen und finden keine praktischen Übungen statt. Das Thema ist „Erziehungskrise“, zwischendurch wird spazierengegangen. Die historische Entwicklung der Hundehaltung von Nutztier zum sozialen Partner wird besprochen. Als Beispiele werden Familienhunde und Hunde von älteren Menschen genannt, wobei für die letzteren der Hund einen sehr hohen therapeutischen Wert hat. Das Sich-einfügen als hochwertiger Sozialpartner in unsere sozialen Strukturen inklusive aller Erwartungen die dieses mit sich bringt, fragt vom Hund ein enormes Anpassungsvermögen.

Aus dem hohen emotionalen Stellenwert des Hundes in unserer Gesellschaft folgt z. B. die enorme und immer noch wachsende Industrie rundum das Thema „Zentralbespassung“. Ebenfalls werden Hunde nicht begrenzt und wird ihr (störendes) Verhalten entschuldigt, zum Beispiel damit dass der Hund früher mishandelt wurde. Hunde fallen dadurch öfter als in früheren Zeiten negativ auf und man bekommt den Eindruck dass es immer mehr Hunde gibt. Nichts ist weniger wahr: vor dem ersten Weltkrieg gab es in Deutschland mehr Hunde als jetzt.

Als Beispiel werden Hunde aufgeführt aus Rumänien, denen manchmal ein Teil von einem Ohr fehlt. Dort ist aber das Koupieren von einem Ohr ein Zeichen dass der Hund jemand gehört. Und diese Hunde werden oftmals von Tierschützern eingefangen und landen dann als ‚misshandelte Hunde’ in deutschen Tierheimen...

Begrenzung des Hundes ist Voraussetzung  dafür, dass dem Hund die grösst mögliche Freiheit gewährt werden kann. Soziales Management, versus Tricks anlernen. Die Ursache vieler Probleme die Menschen mit ihren Hunden haben ist, dass der Mensch verlernt hat unmittelbar zu handeln, ohne erst drei Bücher gelesen zu haben. Dieses Thema kommt später, am 5. Tag, wieder zurück.

Die grössten Probleme mit Hunden liegen im Bereich der Aggressionen und des Jagens. Dies könnte man vergleichen mit Gewalt und Diebstahl bei Jugendlichen.

Angst vor Aggressionen bestimmt und beschränkt das Leben von Menschen mit einem aggresiven Hund enorm. Beim Spazierengehen, in sozialen Kontakten, in ihrer Tageseinteilung. Manchmal 15 Jahre lang, der Dauer des Hundelebens.

Immer wieder wird der Nachdruck gelegt auf die soziale Erziehung versus dem formalen Anlernen von Sachen wie Sitz, Platz usw. und auf die Notwendigkeit der Begrenzung. Dem Hund etwas anlernen ist etwas anderes als das Gehorsamen des Hundes nach dem Lernen.

Über Hundebücher: es gibt keine Wahrheit. Kein Mensch gleicht dem Anderen und jeder muss sein eigenes Buch schreiben.

Über das Festhalten an Belohnen nach dem Anlernen: ist unnötig und sagt dem Hund etwas aus über unsere Beziehung. Der Vergleich wird gezogen mit einem 10-jährigen Kind das den Tisch deckt – da gerät man auch nicht völlig aus dem Häuschen, es ist eine Selbstverständlichkeit geworden. Oftmals wird auch gesagt: Menschen würden auch nicht arbeiten ohne Belohnung. Ich habe das auch immer geglaubt. Nur: bin ich der Arbeitgeber meiner Hunde? Oder wäre der Vergleich mit Mutter und/oder Lehrerin besser? Ich habe keine Fabrik, ich habe eine Familie...

Wir bekommen eine Hausarbeit: den Hund mal weniger beachten. Oft verändert sich schon etwas dadurch, dass man Sachen nicht macht. In der übrigen Zeit sollen wir dem Hund mehr Aufmerksamkeit geben, gerade wenn er nicht darum fragt. Ich bin gespannt...

Über Willekür und die so oft geforderte Konsequenz in der Hundeerziehung, die mir so schwer fällt: Unter Hunden ist Willekür normal und wird eingesetzt um Rangordnungsverhältnisse zu klären. Hund braucht keinen Grund um etwas zu machen oder zu beanspruchen, man macht es schlicht und einfach „weil man es machen kann“.

Über Separationsfrustration versus Separationsangst: Hunde mit Separationsangst kommen meist nicht in die Praxis – sie leiden in aller Stille, aber leiden echt. Die Hunde die nicht gelernt haben Frustration zu vertragen, machen Lärm und machen Sachen kaputt.

Über Tierheimhunde heute: Das sind hauptsächlich sozial nicht-erzogene Hunde zwischen 3 und 7 Jahren alt.

3. Tag
Das heutige Thema ist „Leinenführigkeit“. Dieser Begriff ist für mich, als Holländerin, von einer gewissen Geheimsinnigkeit umgeben. Ich kann ihn nicht wörtlich übersetzen, denn er fehlt im Holländischen Wortschatz, also kann ich nur ahnen was gemeint ist – aber denke mir gleichzeitig, dass ja was völlig anderes gemeint sein könnte. Besser nicht fragen und einfach abwarten, bevor man ausgelacht wird?

Wir beginnen wieder mit Theorie, die immer wieder so lebendig, unterhaltend und anschaulich präsentiert wird, dass ich total nicht den Eindruck habe mit Theorie zu tun zu haben.

(Für mich) wichtige Punkte sind:

  • Der individuelle Hund bestimmt die Wahl und die Intensität des Handelns des Halters.
  • Sozialverhalten ist nicht nur freundlich und nett. Das Totbeissen eines anderen Hundes kann auch Sozialverhalten sein.
  • Leinenführigkeit bedeutet, dass der Hund sich permanent an seinem Halter orientiert (jetzt bin ich noch nicht schlauer!). 
  • Spielen mit dem Hund und Leckerlis geben hat nichts mit Bindung zu tun. Futter ist außerdem oftmals ein zu schwacher Motivator. Als Beispiel wird ein 1 ½ jähriger Rüde genannt, der andere Sachen viel interessanter findet. 
  • Konditionierung ist kein soziales Lernen. 
  • „Sanfte“ bestrafende Methoden können eine viel intensivere Auswirkung haben als eine einmalige, deutliche Unterbrechung die vom Menschen kommt (als Beispiel wird die psychisch sehr belastende Auswirkung der „Schelle“ – (Fisher-Disks) genannt).
  • Beim Ignorieren von Verhalten werden verstärkende Muster (positiv und negativ), weggelassen. Das Problemverhalten, wie z.B. Bellen, wird dann erst grösser, bevor es abnimmt. Problematisch wird es, wenn man Verhalten ignoriert, bei dem es dem Hund egal ist was ich davon finde.
  • Falsche Verknüpfungen, die z.B entstehen können beim Einsatz vom Stachelhalsband bei Leinenaggression, verstärken das Problem.
  • Der Hund darf Fragen stellen! Zum Beispiel die Frage ob heute noch gilt was gestern gesagt ist.
  • Beim praktischen Teil dieses Tages wird mir endlich deutlich was man unter Leinenführigkeit versteht. Ich kopiere Michael einmal mit meinen beiden Hunden und bin begeistert. Wow. Neben mir tänzeln zwei Podencos und gucken ganz viel hoch und fragen mich wo ich hin möchte. Ich muss mich anstrengen nicht dauernd zurückzugucken - einander die ganze Zeit anstarren, wie ich in der früheren Hundeschule gelernt hatte, ist erstens unangenehm für beide, zweitens sinnlos und drittens sehr unpraktisch im täglichen Leben.

Tag 4
Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Spaziergang und einer Fragenstunde. Die Leinenführigkeit wird weiter besprochen und erklärt. Die Frage der Motivation (wer ist motiviert) macht mir schlagartig klar warum meine Hunde bis jetzt nicht leinenführig waren – ich war die Einzige die ein Problem damit hatte und motiviert war das Problem zu lösen! Auch die Erklärung des Problem-Lösungskonzepts leuchtet mir ein: der Hund bekommt ein Problem und findet gleich auch die Lösung: zusammen laufen wir entspannt und in guter Stimmung und es ist toll bei mir zu sein.

Nachmittags arbeiten wir am Sitz und Platz. Wieder wird der Nachdruck gelegt auf die Unterschiede zwischen Anlernen und Abfordern. Rassetypische Unterschiede im Lernverhalten werden besprochen und ebenfalls lerntheoretische Regeln. Das häusliche Programm, vor allem die Reduzierung der Wichtigkeit des Hundes bevor man mit einem Training beginnt, wird besprochen.

Abends, zurück auf dem Campingplatz, übe ich nochmal mit beiden Hunden. Ganz schnell schiessen beide jetzt ins Platz und sowohl die Hunde als ich sind sehr beeindruckt. Und glücklich. So harmonisch waren wir noch nie zusammen, das haben alle Leckerlis und Quitschis und mit-hoher-Stimme-zirzen nicht geschafft...

Tag 5
Dieser Tag ist dem Thema ‚soziales Management’ gewidmet. Vormittags wird die Kommunikation Mensch-Hund besprochen. Watzlawicks Kommunikationsregeln, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Kommunikation und die daraus entstehenden Störungen werden erklärt.

Worum geht es bei sozialem Management: wiederum nicht ums anlernen, um Konditionieren und Trainieren, sondern um die Situationen in denen der Hund, der das gefragte bereits gelernt hat, sich weigert es zu tun.  Alle Teilnehmer waren schon in der Hundeschule, manche in vielen, manche schon jahrelang. Jahre, in denen trainiert wurde. Es gab keinen einzigen Hund der nicht formal gelernt hatte was Sitz, Platz und Fuss bedeutete. Beinah keiner hat es aber gemacht, wenn er freundlich dazu aufgefordert wurde. Verweigerung etwas gelerntem ist eine Frage die der Hund stellt, über die sozialen Verhältnisse: kann ich mir erlauben etwas nicht zu tun, wenn du es sagst? Wichtig beim Handeln ist die Verhältnismässigkeit. Die Reaktion des Hundes bestimmt unsere Reaktion. Angst vor Liebesverlust spielt oft eine grosse Rolle, wenn nicht gehandelt wird. Handlungsfreiheit fehlt, ausser dem geben von Leckerlis darf man nichts mehr am Hund machen und das unmittelbare, ‚aus dem Bauch hinaus’ Handeln haben wir verlernt. Wir haben andauernd Angst etwas falsch zu machen.

Die Funktion von Konflikten wird erklärt: es geht nicht um das Ziehen an der Leine oder darum, dass der Hund sich hinlegt sondern um den Konflikt den der Hund angeht. Diesen Konflikt kann man benutzen um Beziehungsfragen zu klären – was nicht geht wenn man dem Konflikt immer aus dem Wege geht.

Draussen wird wieder geübt: eine Picknicksituation mit Wurst, wobei ich den Hund davon abhalten soll die Wurst zu nehmen oder die picknickenden Menschen zu stören, ohne dass ich gezwungen bin selbst mit Taschen voll Fleischwurst spazieren zu gehen. Das letztere war nicht so schwierig -  für eine Podenca die sich unangeleint im Bayrischen Wald befindet – aber sogar Labradore lernten ganz schnell, dass man sich auch mal zusammenreißen kann und die Welt trotzdem nicht vergeht.

Tag 6
Am Vormittag wird weiter über Kommunikation gesprochen und werden Anwendungen / Praxis des sozialen Managements Zuhause erklärt. Nachmittags wird die Orientierung im Freilauf und das Unterbrechen von unerwünschtem Verhalten geübt. Erklärt und demonstriert wird ausserdem das Eintrainieren und der Gebrauch von den Fisher-Disks und dem Master Plus Gerät.

Tag 7
Am Vormittag wird das Unterbrechen von ungewünschtem Verhalten erklärt und demonstriert mit Videoaufnahmen. Der Nachmittag handelt über Jagen/Spielen. Dabei werden die Jagdsequenzen erklärt, wird eingegangen auf Rassenunterschiede und werden Hilfsmittel besprochen. Ein Stromgerät** wird demonstriert und erklärt, weil die Realität eines Hundetrainers bedeutet, dass man damit, oder mit Fragen darüber, konfrontiert wird. Wer will kann es auf sich selbst ausprobieren.

Merkwürdigerweise habe ich von diesem Tag beinah nichts aufgezeichnet – obwohl dieses Thema mir, mit meinem extrem jagenden Hund, doch sehr nahe am Herzen gelegen haben muss. Vielleicht war ich ja aber noch nicht in der Lage etwas zu ändern und wollte ich mich darum nicht so intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen?

Auch in dieser Beziehung nehme ich wieder den Hut ab vor Nadin und Michael, die mir total nichts aufdrängten im Sinne von „da müsste man doch mal was dran tun“ und stoïsch dabei blieben ich hätte einen tollen Hund!

Tag 8
Das Tagesthema ist Aggression und Spiel. Am Vormittag sind wir im Tierpark. Besprochen wird, im Anschluss an den gestrigen Tag, das Spiel in Kombination mit Jagen und Aggression. Auch wird über Welpenerziehung gesprochen, konret über genetisch bestimmte Verhaltensweisen, die nicht gefördert sondern eher gehemmt werden sollten.

Am Nachmittag ist das Thema Gebrauchshunde. Dabei bekommt der Bordercollie viel Aufmerksamkeit. Die Art einer sinnvollen Beschäftigung ist wichtig. Agility kann diese Hunde super neurotisch machen, vor allem wenn der Ball als Motivator benutzt wird – jeder Bewegungsreiz ist kontraproduktiv bei diesen Hunden. Futter ist schon besser. Doggydancing ist besser als Agility. Sucharbeit, spazierengehen, ruhige Beschäftigungsformen werden angeraten. Border Collies arbeiten nicht den ganzen Tag, auch nicht wenn sie an Schafen arbeiten. Erst müssen sie lernen Frustration zu vertragen. Wenn so ein Hund gelernt hat um entspannt zu sein während der Reiz (zB Schafe) anwesend ist, kann man mit ihm arbeiten. Aktionsspiele sind bei diesen Rassen oftmals ebenfalls kontraproduktiv. Den Hund nicht hochfahren – denn man hat die grösste Mühe ihn wieder herunterzufahren. Konzentrationsübungen und Suchspiele oder Nasenarbeit sind hier sinnvoller.

Alle Gebrauchshunde sind gezüchtet auf einen hohen Beutetrieb, um den Hund schneller und alerter zu machen. Das sorgt für viele Probleme wenn diese Hunde in unserem sozialen Umfeld mit uns zusammenleben. Ein kleiner Reiz kann ausreichen um ‚den Knopf umzudrehen’: Das Baby wird zur Beute. Ballspiel und Spiele mit Stöcken sind immer beutemotiviert. Tötliche Unfälle, wobei Kinder von Hunden angegriffen werden, sind in der Regel beutemotiviert und beinah nie statusmotiviert. Unreflektiertes Ballspiel ist darum gefährlich.

Oft wird aus Zeitmangel der Ball geworfen, weil der Hund dann ‚schön müde ist’. Diesen Menschen wird geraten: lauf lieber drei Stunden mit dienem Hund oder schaff dir keinen Hund an wenn du nicht mit ihm laufen willst.

Schliesslich gibt es auch noch eine Clickerdemonstration, wobei wieder der Nachdruck darauf liegt, dass der Clicker dazu da ist um dem Hund etwas beizubringen, die Erziehung aber an erster Stelle kommen muss.

Tag 9
Das Begräbnis der Quitschi als Symbol der Zentralbespassung. Der Rückblick auf das Praktikum – haben sich die Erwartungen erfüllt?

Was habe ich gelernt – was hat sich verändert:

  • Die wichtigste Veränderung die sich in meinem Denken vollzogen hat, ist dass ich eine Hemmschwelle überwunden habe, die verhinderte dass ich etwas von meinem Hund abfordern konnte. Vor allem von Lucy, der „armen Spanierin die ja so sensibel ist“, hatte ich noch nie etwas eingefordert oder sie einfach nur begrenzt. Sie sollte es ja gut haben bei mir! Das Resultat davon war: ein frustrierter Mensch und einen Hund den man nirgends ableinen kann. Für einen Podenco nicht gerade ein tolles Leben. Mit der Überwindung dieser Schwelle erfuhr ich eine enorme Erleichterung. Es ist OK wenn ich ihr Grenzen stelle und – sehr wichtig – ich (meine Bedürfnisse) zähle auch!
  •  Ich stelle fest dass ich auch noch Vieles sein lassen muss. Zum Beispiel die Zentralbespassung. Wieder eine Frage der Verantwortung: ich bin nicht verantwortlich oder angestellt um meine Hunde zu bespassen. Noch abgesehen davon: meine Hunde fragen nicht danach bespasst zu werden. Das einzige was ich damit mache ist, mein Gewissen beruhigen. Zum Beispiel weil ich eigentlich finde, dass gerade so ein lauffreudiger Hund wie ein Podenco sein Leben nicht ausschliesslich an der Leine führen sollte. Wie soll sie aber jemals auf mich hören wenn für sie Wichtiges unseren Weg kreuzt, sie aber in ganz einfachen Situationen nicht gelernt hat, dass Muttern meint was sie sagt?
  • Die andere Seite muss es auch geben, den entspannten Kontakt, streicheln, kuscheln usw. Je klarer die Grenzen sind, je besser die Stimmung in der wir zusammen sind, je größer die Freiheit die ich meinen Hunden geben kann. Gute Stimmung und viel Freiheit sind das größte Geschenk, in jeder Beziehung, in jeder Partnerschaft.
  • Ich habe mehr Selbstvertrauen im Umgang mit meinen Hunden, aber auch mehr Vertrauen in meine Hunde.
  • Ich habe weniger dass Gefühl dass nur meine Hunde Spass haben müssen, dafür mehr das Gefühl dass wir Spass haben sollen.
  • Ich stehe nicht mehr so oft hilflos da, wenn meine Hunde etwas tun was ich nicht möchte, oder nicht tun was ich möchte – ich bin handlungsfähiger geworden.
  • Ich habe nicht mehr die Angst, dass die Hunde mich nicht mehr lieben, wenn ich sie begrenze.
  • Ich kann mit Lucy an der Leine laufen ohne mich schuldig zu fühlen – ich habe einen Ausblick bekommen und weiß nun, dass es einen Weg gibt um ihr mehr Freiheit geben zu können. Lucy anleinen ist etwas geworden, das JETZT noch nötig ist und nicht etwas, das ihr Leben lang so bleiben muss.
  • Was mir sehr geholfen hat und ein Eyeopener für mich war, ist der ständige Vergleich von Hunden (Hundeerziehung) mit Kindern (Kindererziehung).
  • Weiterhin hat mir sehr geholfen, dass Nadin und Michael so oft „toller Hund“ gesagt haben zu meinem „Problemfall“. Das hat viel Druck weggenommen und hat mir geholfen die andere Seite zu sehen, statt das Verhalten meiner Hunde nur zu verteidigen und zu entschuldigen. Es hat wieder Liebe in unsere Beziehung gebracht.
  • Nadin und Michael waren (und sind) für mich die grossen Vorbilder wie man mit Menschen und ihren Hunden umgeht.
Bei den Hunden hat sich einiges im Laufe des Praktikums verändert:
  • Scotty fiept und piepst nicht mehr, wenn ich ihn irgendwo anbinde
  • Lucy stellt sich nicht mehr gegen mich und kratzt
  • Beide machen Platz wenn ich es sage
  • Scotty fragt nachdrücklich ob er echt gehen darf wenn ich ihn ableine, oder ob er etwas echt   fressen darf
  • Lucy ist nicht länger als 10 Minuten weggewesen (das hat sich zwar wieder gegeben, zeigte mir aber, dass sich etwas ändern kann!)
  • Lucy hat, wenn ich sie angebunden habe, die Leine nicht mehr durchgebissen
  • Es ist mehr Ruhe und Entspannung in die Hunde gekommen
  • Scotty bellt nicht mehr mit anderen Hunden mit, wenn er im Platz liegt
  • Beide sind leinenführig.
Was ich nie vergessen werde:
  • Der Spass und die gefühlte Verbundenheit
  • Das rituale Begräbnis der Quitschi als Symbol der Zentralbespassung und der kommerziellen Ausbeutung des Hundes
  • Die meistgestellte Frage: „ist Lucy da?“
  • Das Essen im Bärenhof
  • Die Ruhe der Hunde im Seminarraum – sie wurden einfach mal in Ruhe gelassen und das reichte, um auch mal die Ruhe zu finden
  • Die unglaubliche Toleranz und Sorgfalt von Michael und Nadin für Hunde UND Menschen, der Blick für das Individuum jedes Hundes. Als Beispiel blieb mir bei, dass in einer Situation in der ein Spaziergänger auf die Gruppe zu kam, Michael meinte, kein Hund sollte bellen. Nur der Herdenschutzhund, der durfte.
  • Der letzte Tag, an dem die Canisstudenten zu mir kamen und sagten: „wir haben beschlossen dass du Canis-Studentin werden musst“
  • Die anschliessende Wanderung im Böhmerwald mit Michael Eichhorn, mit Lucy immer auf geschätzten 2 km Abstand deutlich hörbar hinter allem was lebt herhetzend
  • Die anschliessenden Tage mit Michael Eichhorn, Ray Coppinger und Peter Neville
  • Der Moment an dem der Anruf kam dass Erik Ziemen gestorben ist – genau in dem Moment, an dem wir die gerade ausgegrabenen Wolfswelpen im Gehege streichelten...
  • Die Trauer, dass ich Erik nie kennenlernen durfte.
Marian Lamp
 Juni 2007

**Anmerkung: im Protokoll steht ein Stück über Strombänder. Um Zweifel auszuschliessen:wir haben Methoden, die es gibt, kennengelernt. Strom ist etwas das jeder Hundetrainer kennen muss - und wenn es nur dazu dient dagegen argumentieren zu können!!

donderdag 5 april 2012

Lamp bei Lampen-Udo

Lampen sind mir ein Gräuel. Sie haben Birnen, oder auch Leuchtmittel die kaputt gehen und immer wenn du gerade den echt besten Platz für Birnen gefunden hast, befindet der sich genau an dem Moment wo du eine suchst, an ganz anderer Stelle. Die aber unbekannt bleibt, so dass du neue kaufen musst. In meinem Haus müssen unzählige Vorratstellen von Leuchtmitteln sein und ich fühl mich dauernd wie die Feldmaus im Winter die ihre Eichelbergchen sucht. Mit dem Unterschied, dass sie erfolgreicher sein wird als ich, sonst gäbe es keine Feldmäuse mehr.


Es gibt seltene Momente an denen ich die neue Birne finde, dann aber ist auf jeden Fall die Fassung zu groß oder zu klein, nach Bedarf umgekehrt eben. Das nächste Problem ist dann, dass die Lampe zu hoch hängt und die Leiter gesucht werden muss, oder erst was aufgeschraubt werden muss und der Schraubenzieher sich bei dem Birnenvorrat befindet.


Von meiner Freundin Alexandra habe ich vor Jahren eine Lampe bekommen. Ein sogenannter Deckenfluter – ich nannte sie immer Stehlampe. Die war phantastisch, gab schönes Licht wenn sie die Decke flutete und tolles Licht wenn ich nähte, stickte oder machte was eine Frau sonst noch toll findet, wozu man aber erst Nagelschere, Nagellack oder Wax suchen müsste an wieder anderer Vorratstelle.

Diese Lampe ging irgendwann kaputt. Erst war der Fußschalter, mit dem man das Licht –Wahnsinn!- gleichzeitig dimmen konnte, kaputt. Mit Klebepflaster ging die Lampe aber noch an und aus. Dann war das Stäbchen wo das Licht raus kam kaputt. Ich wusste nicht wie das heißt und als ich es zufällig im Baumarkt sah wusste ich natürlich nicht welche Größe.


Die Lampe stand seitdem im Schuppen. Regelmäßig räumten verschiedene Männer (nie Frauen!) den Schuppen auf, fanden Vorräte von Leuchtmitteln, versteckten die woanders, fragten „kann die Lampe weg?“ und bekamen immer als Antwort „neiiin! Die ist von Alexandra und das ist die beste Lampe je und die muss nur repariert werden!“.
Letztes Jahr meinte der Mann der derzeitig den Schuppen aufräumte, dass die Lampe prima wäre und nur das Leuchtmittel fehlte. Dann aber kam die Hiobsbotschaft: das Gläschen vor dem Stäbchen fehlte. Ohne Gläschen zu gefährlich. Da stand sie wieder, die Lampe.


Im Baumarkt hatte ich schon mal gefragt ob man so einen Fußschalter auch lose bekommen könnte. Das habe ich nicht so eben beiläufig gefragt. Ich habe geklingelt, man hat über den ganzen Baumarkt, und der ist groß, ausgerufen, dass jemand geklingelt hat, ich habe unzählige Baumarktmitarbeiter in der Ferne gesehen, die alle verschreckt woanders hingeguckt haben weil ich dummerweise fragend geguckt habe, bis irgendwann jemand kam, die Wangen aufblies, den Kopf bedächtig schüttelte, einen großen Katalog durchblätterte und schließlich seufzend meinte „nee. Geht gar nicht.“.

Schade. Abgang mit hängenden Schultern.


Ich behalf mich mit Stehlampen von Ikea, € 10.- pro Stück. Verbrauch ungefähr eine pro Abend, denn wenn einmal ein Hund dagegen gelaufen ist, sind alle Schraubverbindungen ausgeleiert und fällt die Lampe auseinander.
Gestern war mein Vorrat Ikea-Stehlampen endgültig verbraucht. Ich suchte im Internet nach einem Lampenladen und fuhr zu Lampen-Udo in Kleve. Da fand ich einen Laden, so vollgepackt mit Lampen, dass ich jetzt, 12 Stunden später, wenn ich die Augen schließe immer noch nur Lampen sehe. Hinter der Verkaufstheke ein Mann, möglicherweise der Lampen-Udo, vor einem Tisch der aussieht wie mein Schreibtisch: vollgepackt mit allem was man im Leben braucht, inklusive Aschenbecher und Kaffeetasse. Da ich eigentlich eine neue Lampe kaufen wollte, das Angebot aber zu überwältigend war, fragte ich spontan aber zaghaft „haben sie vielleicht auch so´n Gläschen...??“. Udo´s Hand bewegte sich schnell über seinen Tisch und kam zurück mit einem Karton... voll gebrauchter Gläschen. „Wie groß soll´s denn sein?“. Ui. Keine Ahnung. „zum Klemmen oder Schrauben?“. Wieder ui. Romy anrufen, schnell. Der Mann hat Gläschen! Romy rennt, Romy sucht Lampe, Romy guckt, Romy sucht was mit Zentimetern drauf. Ich bekomme mein Gläschen, zum Klemmen. Ich fahr nach Hause, ui, doch zum Schrauben. Außerdem stellt sich heraus, dass ein Mann (nie eine Frau!), aus unbekanntem Grund den Stecker abgeschnitten hat.


Ich fahr wieder nach Kleve, zum Udo. Bekomme Schraubklemmen aus anderem Karton. Ich murmel zaghaft, aber doch irgendwie mutig geworden, was über Fußschalter mit Dimmer, und dass der Stecker jetzt auch noch fehlt. Udo steckt seine Hand in ein Regal, zieht sie zurück und überreicht mir das Gewünschte. WOW. Dann malt er mit Farben die Löcher an wo die Drähte rein sollen. Ich fahr nach Hause. Ui. Gläschen zu groß.


Romy hat Feierabend. Romy schreit mich an „du fährst jetzt nochmal! Ich bleibe! Geh!!!“. Ich fahr zum dritten Mal nach Kleve, zum Udo. Udo ist nirgendwo zu sehen. Nach ein paar „Hallo? Hallo!“ ertönt hinter einem Vorhang eine Stimme „komme gleich! Erst Kaffee kochen!“. Das wäre doch mal was für Baumärkte. Man soll kurz warten und bekommt eine menschliche, nachvollziehbare Erklärung dazu – natürlich will ich warten!
Als Udo wieder da ist, stellt sich heraus, dass kein passendes Gläschen da ist. Aber keine Not, er guckt im Lager nach und wenn da auch nichts ist, schleift er einfach eins für mich ab. Samstag kann ich es abholen.


Ich fahr nach Hause und weiß eins sicher: für alles rundum Lampen nie wieder Baumarkt.
Ich hab jetzt den Udo, auf dessen Website steht: „Wir machen das Unmögliche für Sie möglich.“

http://www.lampen-udo.de/

:-)


woensdag 4 april 2012

Über die Hilflosigkeit des Hunde(trainer)halters

Wolfshunde kommunizieren liebend gerne. Und gerne lautstark. Sehr lautstark. Sie ergreifen jede Gelegenheit um lautstark einander und der Umgebung mitzuteilen, was sie gerade fühlen. Gefühlsschwankungen lieben sie auch – so haben sie mehr und öfter einen Grund sich mitzuteilen.

Des Öfteren wird gesagt, Wolfshunde bellen nicht, sondern heulen. Das ist nicht wahr. Wolfshunde bellen gerne, aber nicht nur. Sie haben in Wirklichkeit ein unendliches Repertoire von Geräuschen, vom Bellen, Jaulen, „HA!HA!HA!“ rufen (am liebsten 50 mal hintereinander), über Sprechknurren, Bärensprache mit weitaufgerissenem Maul bis Heulen. Und alles gerne ganz laut.

Wenn vier „normale“ Hunde mit 4 Wolfshunden zusammenleben, lernen die anderen Hunde ganz schnell, das Kommunizieren genau so zu lieben. Sie lernen auch das ganze Repertoire der Geräusche.

Manchmal ist das alles ziemlich nervig. Vor allem wenn ich am Schreibtisch sitze und probiere mich zu konzentrieren. Schon das Öffnen einer Schublade (in der noch NIE etwas zu essen war), kann für den einen oder anderen ein Zeichen sein, den anderen zu erzählen was man dabei fühlt. Alle anderen machen selbstverständlich sofort mit – man will ja nicht unhöflich sein, oder gar den Eindruck wecken, dass man nichts fühlt.

Grosse Emotionen entstehen auch, wenn ich ein Telefongespräch führe. Totale Hysterie entwickelt sich wenn ich zur Wohnungstür herein komme. Dann müssen alle Emotionen der letzten 5 Minuten, 2 Stunden oder auch 2 Tage kommuniziert werden – wobei der Nachholbedarf immer gleich lang und gleich laut ist, egal ob die Trennung 5 Minuten, 2 Stunden oder 2 Tage gedauert hat.
Kommunizieren macht meinen Hunden nämlich am meisten Spass, wenn ich dabei bin. Ohne mich sind sie meistens ruhig, bellen wenn sie etwas hören, aber erzählen sich nicht so viel.

Seit Jahren habe ich probiert das zu ändern. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Man tut selber als ob alles normal ist. Ich war ja nur kurz draußen, begrüße also keinen, bin selber ruhig. Erfolg gleich Null. Eigentlich noch weniger, denn wenn man nicht gehört wird muss man halt lauter, oder? Nächster Versuch: unterbrechen. „aus, ab, Schluss, es reicht, klaar nou, afgelopen“ – egal in welcher Sprache, es wird verstanden als: „Hurra, sie fühlt auch was!!!“. Konditionieren: ich geh rein, raus, rein, raus, und komme erst richtig rein wenn alles ruhig ist. Toll, geht super, so lange man übt. Aber man kann ja nicht nur üben, man muss manchmal schnell rein, zum Computer, was ausdrucken, wieder raus (Jaul!HA!HA!HA! mal 8 mal 50). Natürlich könnte ich auch mit irgendwas rumscheppern, aber dann würde ich den ganzen Tag nur scheppern. Ich möchte ja auch gar nicht, dass nicht mehr kommuniziert wird, nur wäre es schön, den Lärm auch mal unterbrechen zu können. Weil die Aufregung einfach zu groß ist, oder der Grund zur Aufregung zu klein...

Vor einigen Tagen war es wieder so weit, im Arbeitszimmer. Kein Grund (schubladenartige Aktivität), großes Gewusel und Lärm. Ohne nachzudenken sprang ich auf und sagte „raus.“, stellte mich an die Zimmertür und zeigte den Weg. 6 Hunde liefen raus, die zwei die nicht mitgemacht hatten blieben liegen und ich machte die Tür zu. Ruhe. Im Flur Ruhe, im Arbeitszimmer Ruhe, herrlich. Ich machte meine Arbeit fertig und machte die Tür wieder auf, die Hunde kamen ruhig und mit fragenden Blicken wieder rein. In den Tagen danach habe ich das noch ein paar Mal wiederholt. Seitdem reicht auch draußen, wenn die Gruppe zur Hysterie neigt, ein einfaches „Raus.“. Mit Fingerzeigen, Richtung egal. Alle mucksmäuschenstill, ich mit Freude in der Brust und ernstem Gesicht.

Wie logisch. Alle wollen gerne bei mir sein und sind am lautesten wenn ich ´nicht da war´. Und ich bin nie drauf gekommen zu sagen „wenn ihr so laut seid, könnt ihr nicht bei mir sein“. Und zwar von drinnen nach draußen, die Hunde von mir weg, statt andersrum. Das Resultat bleibt gleich (wir sind getrennt), aber "sie geht von uns weg" ist für die Hunde Grund zur Aufregung (Stimmungssteigerung), "wir müssen von ihr weg" dagegen bewirkt eine Stimmungsreduzierung.

Andersrum denken ist eine der schwierigsten Sachen im Leben. Weg von dem was ich immer schon so gemacht habe. Und immer wieder ist es gerade das, was mich weiter führt.

Das Schöne an der ganzen Sache ist: ich kann jetzt auch wieder unbeschwert mit-kommunizieren. Ohne mich dauernd beherrschen zu müssen, weil mir das Ganze sonst über den Kopf wächst und ich keinen Einfluss mehr habe auf die Gruppenstimmung. Ich bin begeistert.

zondag 11 maart 2012

Komplexität im Tierschutz

Heute morgen fragte ich jemand (Mijke) die durch Nicaragua reist nach dem Leben der Strassenhunde dort und erfuhr folgendes:

"Es gibt ganz viele Streunerhunde. Meistens werden sie in der Nähe von Restaurants toleriert, so lange sie nicht von den Tellern stehlen. Viele Menschen werfen Knochenreste auf die Strasse. Schlimm sind die ärmeren, ländlichen Gebiete - sogar die Hunde die zu Menschen gehören sind dort oftmals sehr abgemagert. Rüden sehen öfter besser aus, säugende Hündinnen sehen grausam aus. Auch bei Pferden und Maulpferden die arbeiten müssen stechen die Knochen raus. In der Nähe einer Vieharztpraxis laufen viel kastrierte Rüden rum. Vereinzelt gibt es in grösseren Städten Auffangprojekte und wird auch kastriert.

Viele Hundehalter lassen ihre Hunde frei laufen und am laufenden Band trächtig werden. Welpen werden überall verkauft, bei Supermarkten, Bushaltestellen usw.. So hat man etwas mehr Geld. Oftmals sind das Leute mit grossen Familien die selber nicht mehr als eine Mahlzeit pro Tag haben."


Meine Idee war eigentlich, Geld zu spenden für Kastrationsprojekte wobei die Hunde wieder ausgesetzt werden. Weniger Welpen, weniger Streuner, Bevölkerung toleranter, Problem kleiner. Aber Moment mal - ich habe ja gerade erfahren, dass die Welpen eine Einnahmequelle sind für viele Menschen, vielleicht die Einnahmequelle die genau für die eine Mahlzeit pro Tag sorgt. Was passiert denn wenn man diese Hunde kastriert? Es wird weniger Welpen geben. Da es scheinbar einen Markt gibt für Welpen, wird der Preis steigen wenn die Anzahl der Welpen abnimmt. In Folge dessen wird der Anreiz, Welpen zu produzieren, steigen.
Die kastrierten Hunde hätten es auch nicht automatisch besser: hatten die Hunde erst noch die Funktion der Welpenproduktion, sind sie jetzt nur noch nutzlos. Warum sollte man sie jetzt noch besser versorgen oder mehr tolerieren?

Das heisst: kastrieren und aussetzen kann eine sehr gute Form von Tierschutz sein an dem einen Ort und an einem anderen Ort das Problem verschlimmern. Hier wäre die Voraussetzung den Menschen zu helfen, so dass sie den Verkauf von Welpen nicht mehr brauchen für ihr tägliches Brot. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass ich, wenn ich kein Essen hätte für meine Kinder, Welpen verkaufen würde um meine Kinder zu ernähren.

So komplex ist das also. Und mein Beitrag am Tierschutz in Nicaragua könnte bedeuten, dass ich in Menschenschutz investiere.

Ich muss nochmal mit Mijke sprechen...

zondag 4 maart 2012

Proportionalität im Tierschutz

Gerade sah ich auf Facebook den Hilferuf einer Tierschutzorganisation, die sich unter anderem einsetzt für Hunde in einer Perrera, einem Auffanglager für Hunde. Laut des Vereins sind alle Hunde in dieser Perrera zur Tötung freigegeben und können nur gegen einen Betrag von80.- pro Hund freigekauft werden. Hierzu wird Geld benötigt.

Bei mir entstanden ein paar Fragen als ich den Aufruf sah. Vielleicht würde ich mir die gar nicht stellen wenn ich viel Geld hätte – das ist aber leider nicht der Fall. Ich würde gerne allen Menschen und Tieren helfen die Hilfe benötigen, aber das geht nicht. Ich habe darum die Qual der Wahl. Erst mal: Mensch (alt? krank? behindert? Psychische Probleme? Kinder? Hungrig? in welchem Land? usw usw) oder Tier (Haustiere oder Nutztiere? Hunde oder Katzen? jung? alt? krank? behindert? eingesperrt? auf der Tötungsliste? hat noch ein Leben vor sich oder soll es wenigstens noch kurz besser haben bevor es stirbt? lebt auf der Strasse aber jemand muss sich kümmern? Aufklärungsprojekte? Kastrationsprojekte? In welchem Land? usw. usw).

Jedes Mal, wenn ich mich für ein Spendenziel entscheide, entscheide ich mich gegen ein anderes das genau so viel Hilfe braucht. Es ist zum verrückt werden! Frustrierend!

Eigentlich ist das auch der Grund warum ich für die Stiftung, die in den Niederlanden gegründet ist um zu helfen die Hunde die ich hier aufgenommen habe durchzubringen, keine Werbung mache (kurz zur Klärung: in NL braucht man, anders als in D, kein Kapital um eine Stiftung zu gründen. Sonst wäre „meine“ nämlich nicht da J). Weil ich ja weiß, wie viel Geld über-und überall nötig ist und wo Mensch und Tier es viele, viele Male schlechter haben als die Hunde die bei mir wohnen.

Die Vielzahl von Hilferufen! Die Vielzahl von Spendenzielen und von Vereinen! Es fühlt sich an wie ein bodenloses Fass, der Tropfen auf dem heißen Stein. Es motiviert nicht um mehr zu machen sondern es lähmt. Und zwar gewaltig.

Ich glaube ich bin nicht der einzige Mensch der diese Gefühle hat. Und was beiträgt an der Frustration und der Lähmung: es wird irgendwie nicht besser. Im Gegenteil: es sitzen immer mehr Hunde in der „Tötung“ und es gibt immer mehr Vereine die das Ziel haben diesen Hunden zu helfen. Irgendwas stimmt da doch nicht? Immer mehr Hunde aus immer mehr Ländern werden nicht nur nach Deutschland exportiert, sondern auch nach allen anderen westeuropäischen Ländern.

Ich habe mir die Frage gestellt, wer eigentlich die € 80.- pro Hund im oben genannten Beispiel bekommt. Und wer darum überhaupt nicht motiviert wäre etwas zu ändern und damit eine tolle Einnahmequelle vertrocknen zu lassen? Mit dem Besetzen solcher Einrichtungen mit neuen Hunden scheint man ja kein Problem zu haben, warum sollte man also Energie und Geld investieren in Kastrationsprogramme wobei die Tiere z.B. danach wieder ausgesetzt werden? Man wäre ja doof.

Eine andere Frage die ich mir stelle: was passiert mit der sogenannten Schutzgebühr die bezahlt wird wenn man einen Hund adoptiert? Beinah überall lese ich, dass das Geld zum Teil verwendet wird für Kastration, Impfung, Bluttests, Parasitenbekämpfung und Transport des Hundes in ein anderes Land. Der Rest geht an den Tierschutzverein vor Ort. Eine Schätzung vom Verein „Pfotenkrieger“ (http://www.pfotenkrieger.de/) geht aus von ca 400.000 importierten Hunden jährlich für Deutschland. Ausgehend von einer Schutzgebühr von € 250.- bis 350.- pro Hund sind das jährlich € 120.000.000. Genau: 6 Nullen. Wenn man die vermittelten Hunde von allen anderen west-europäischen Ländern dazu zählt, kommt man auf astronomische Beträge. Die natürlich in Wirklichkeit noch viel höher sind, denn es wird ja auch gespendet, ohne dass man einen Hund dafür bekommt, es gibt finanzielle Patenschaften usw.

Warum ändert sich denn nichts, trotz dieser Unmenge an Spendengelden die hier umgeht? Wo sind die positiven Berichte, die Schlagzeilen „An diesem Ort sind die Probleme gelöst“? Was läuft hier falsch, trotz aller gut gemeinten Aktivitäten? Sind Beträge die für Tierschutz ausgegeben werden und Angebot an Hunden die gerettet werden müssen proportionale Größen?

Vielleicht müssten wir, die Spender, noch mal ganz doll nachdenken. Darüber, was eigentlich mit dem Geld passiert. Darüber, dass die Möglichkeit besteht, dass unsere Hilfe zur Rettung eines individuellen Hundes bedeuten könnte, dass das Problem größer wird als es ursprünglich war. Nicht unser Problem, sondern das der Hunde mit denen Profit gemacht wird weil das Problem einfach Geld generiert. Wir zeigen auf unseren Hund und sagen "gerettet. Kommt aus der Tötung"... aber was tun wir da eigentlich?

Wir rufen alle, dass man nicht beim Hundehändler, Hundevermehrer usw. Welpen kaufen sollte – auch nicht, um diesen einen so traurig guckenden Welpen zu retten. Weil man damit den Hundehandel finanziert und stimuliert. Machen wir aber nicht genau das, wenn wir Hunde aus Tötungsstationen freikaufen?Und warum heisst es dann Tierschutz?

Ich werde mich auf die Suche machen nach dem Verein, nach der Initiative, die Erfolg hat. Die auf dem Weg ist sich selber überflüssig zu machen und das auch vorzeigen kann: schau, das Problem war erst so groß und jetzt ist es kleiner. Die Anzahl der Hunde wird kleiner, die Hunde haben jetzt ein besseres Leben ohne emigrieren zu müssen, die Anzahl der exportierten Hunde nimmt ab, die Bevölkerung geht anders damit um, wir finden kaum noch Welpen im Müll weil beinah alles kastriert ist.

So etwas würde mir Mut machen. Würde mich in Bewegung bringen statt mich zu frustrieren und zu lähmen. Und: es würde Nachahmung finden, anderen einen Weg zeigen. So dass es vielleicht wirklich mal besser wird!

woensdag 14 december 2011

Tierschutz-Weltbild kaputt!

Tom, mein Sohn, ist zurück von einem zwei-wöchentlichen Aufenthalt in Athen. Er war dort um Konflikte zwischen Menschen zu fotografieren: Proteste und Krawallen. Da er schon lange bei uns in der Pension arbeitet, lag sein Fokus automatisch auch woanders. Beim 4-beinigen Athener, beim Strassenhund.


Hör mal, sagt er mit leuchtenden Augen, es sind SO viele! Und sie haben es SO gut! Jeder liebt sie, sie werden verwöhnt. Sie liegen überall faul herum, und die meisten sind, na ja, vielleicht nicht echt dick, aber doch ganz schön mollig. Und so entspannt!


Ich denk ich hör nicht richtig. Moment mal, Griechenland, da kommen doch unsere armen geretteten Hunde her? Wie reimt sich das?


Mein Sohn erzählt weiter. Weißt Du, sagt er, die Hunde dort betteln überhaupt nicht. So wie unsere hier betteln, aufdringlich dasitzen und starren und immer ein Stück näher rücken und man sie echt wegschicken muss? Dort kommt ein Hund vielleicht mal gucken, aber wenn er merkt, dass Du ihm nichts geben willst, geht er halt wieder weg.


Ich sehe mich abends vorm Fernseher sitzen, 8 paar Augen strack auf mich gerichtet, telepathische Mitteilungen summen mir so eindringlich um die Ohren, dass ich den Fernseher lauter stellen muss. „ICH. Wie viel Aufmerksamkeit habe ICH heute von dir bekommen? Werde ICH hier auch mal geliebt? Werde ICH dich gleich noch lieben?“ Mal acht. Su-per Feierabend. Essen schmeckt nicht mehr. Essen reicht nicht für 1 + 8. Halbvollen Teller auf den Schrank stellen. Seufz.


Sie haben auch den ganzen Tag Beschäftigung, erzählt mein Sohn weiter. Sie laufen gerne ein Stück mit Menschen mit, zum Beispiel. Wenn sie dann an eine Ampel kommen, bleiben sie mit den Menschen stehen bis die Ampel grün wird und laufen weiter wenn die Menschen in Bewegung kommen. Er hat aber auch gesehen, dass Hunde ganz ohne Menschen bei roter Ampel stehen bleiben und die Strasse erst überqueren wenn grün ist! WOW.

Eine andere geliebte Beschäftigung ist: ein Grüppchen formen und Mopedfahrer ärgern. Das Moped wird abgestoppt und muss erst mal warten. Ab und zu probiert der Mopedfahrer ob er schon weiter darf: nöh. Noch nicht. Keiner wird echt sauer, es ist doof aber man wartet halt. Die Hunde warten darauf, dass der Fahrer probiert weg zu schiessen, das wäre natürlich ne super Jagdaktion. Sie beissen dann auch schon mal in Waden.

Meter für Meter arbeitet der Mopedfahrer sich voran, bis er aus der „Kontrollzone“ ist und weiterfahren kann, worauf die Hunde sich freudig auf das nächste Moped richten.


Solche Aktionen werden hier schwer bestraft. Mit Leinenzwang und Maulkorb, und Hundetraining-Hirnwäsche, bis diese ungesunden Neigungen unterdrückt sind...


Tom sah nirgendwo Hundekot liegen in der Stadt, trotz der Vielzahl Hunde. Er hat nicht herausgefunden ob es aufgeräumt wird oder ob die Hunde woanders „machen“ – es viel ihm aber auf, vor allem weil er Athen ansonsten eine sehr dreckige Stadt fand. Den einzigen Kot den er fand war Menschenkot, in großen Mengen, dort wo Junkies auf der Strasse leben...


Es gibt natürlich auch Haushunde in Athen. Eine schöne Beschäftigung für diese kann sein, mit den Strassenhunden zu spielen, denn die sind sehr sozial.


Die super-mega-gaudi-Beschäftigung sind die Proteste und Krawallen, die in Athen beinah täglich stattfinden. Tom wusste nicht immer, wo genau was los sein würde. Da brauchte er dann nur den Strassenhunden zu folgen, denn die lieben Krawallen und ein großer Teil ist immer dabei. Voran natürlich Loukanikos („Würstchen“), der berühmteste Hund von Athen, der immer dabei ist und immer auf der Seite der Demonstranten. Wenn irgendwas explodiert ist rennt er hin und packt das Ding und schüttelt es und schleudert es durch die Luft. Tom sah aber auch, dass als es zu schlimm wurde mit dem Tränengas und den Molotovcocktails, irgend jemand Loukanikos anleinte und mit in ein Haus nahm. Denn Loukanikos trägt, wie die meisten Strassenhunde, ein Halsband. Mit Marken. Daran kann man sehen: dieser Hund ist kastriert, ist ein Rüde (rote Marke) oder eine Hündin (blaue Marke) und gehört „der Stadt“. Das bedeutet aber nicht, dass eine Instanz der Gemeinde sich darum kümmert. „Stadt“ bedeutet: er gehört niemand, sondern den Menschen der Stadt, jemand kümmert sich und füttert ihn.


Ist das nicht der super Tierschutz?! Die Hunde sind akzeptiert, man sieht sie gerne, man verwöhnt sie. Ein paar Unartigkeiten werden ihnen grosszügig verziehen. Im Gegenzug verhalten sich die Hunde nicht zu störend und sind sehr entspannt. Sie geniessen die grösstmögliche Freiheit und haben menschlichen Kontakt. Mein Weltbild vom Tierschutz fällt gerade auseinander.


Natürlich ist es nachdrücklich nicht überall so. Wie hier z.B. in ländlichen Gebieten auch anders mit Hunden umgegangen wird und Zwingerhaltung nicht selten ist.

Aber wenn so etwas in einer Stadt eines Landes möglich ist, müsste das doch übertragen werden können? Vielleicht wäre es sinnvoller, Geld und Energie darin zu stecken, statt die Hunde hierher zu holen und so zu retten?


Natürlich wird es auch mal einem Hund schlecht gehen, wird er nicht rechtzeitig beim Tierarzt landen oder könnte er überfahren werden. Das aber verglichen mit einem Leben hier an der Leine (Angst, Jagdtrieb), oder mit den unzähligen Fällen von „geretteten“ Hunden die hier kurz nach Ankunft aus dem Halsband oder aus der Tür entkommen und desorientiert irgendwo herumirren, überfahren werden oder einfach nie wieder gefunden werden....hm.


Auf jeden Fall weiss ich, wo mich mein nächster Urlaub hin führt. Das muss ich sehen. Sehr interessant fände ich dann zum Beispiel auch die Frage welche Rassetypen man dort am meisten (oder am wenigsten!) sieht. Denn Sozialkompetenz ist ja die Eigenschaft welche die meisten von uns am wichtigsten finden für unsere Hunde.

Interessant finde ich übrigens auch schon die Feststellung, dass keine Rassenhunde dabei sind bei dieser Vielzahl Hunde die es hinbekommt, so unkompliziert mit dem Menschen zusammen zu leben – frei, akzeptiert, versorgt, mitten in einer Großstadt...

donderdag 24 november 2011

Ab April 2012 wieder im Angebot: Die Strass-Schnecken für Ihren Garten!


Sie mochten es nie wenn Schnecken Ihren Garten besuchten? Das können Sie jetzt ändern!

Jetzt vorbestellen und diese mobilen Schmuckstücke für die nächste Saison sichern - Sie werden sich jedesmal freuen eine Ihrer ganz persönlich dekorierten Schneckchen zu entdecken!

Alle Schnecken erreichen ihr neues Zuhause in bester Gesundheit. Während ihr Haus geschmückt wird, wird sie artgerecht auf einem mit ionisiertem Wasser befeuchteten Salatblatt vom Biobauern gehalten. Natürlich einzeln, um Stress und Aggressionen untereinander zu vermeiden.
Die Reise in ihren neuen Garten verbringt Ihre Schnecke natürlich mit ihrem eigenen Salatblatt, das sie ja schon kennt, in einer sicheren und stabilen Reisehöhle.

Preis je nach Größe € 3,95 bis € 9,95 (excl. Versand).
Bestellungen über Email
info@hondenhut.de
mit Angabe der Minimum Größe und den gewünschten Farbtönen!



zaterdag 5 november 2011

2 Tagesworkshops Longieren mit Hund am 10. und 11. März 2012!


Auf Wunsch vieler haben wir Sami el Ayachi ein weiteres Mal buchen können!

Der 10. März 2012 (Samstag)ist reserviert für Anfänger im Longieren.
Am 11. März 2012 (Sonntag) geht es wieder rund für diejenigen, die Sami schon kennen.

Ein Zelt mit Heizung wird das Warten auf den nächsten Durchlauf angenehm machen.

Kosten: € 130.- pro Mensch-Hund Team
Inbegriffen sind Kaffee, Thee und Mittagessen.

Zuschauer können nicht mitgenommen werden. Verträgliche Hunde können in der Pause auf dem eingezäunten Gelände frei laufen.

Anmeldung per Email an info@hondenhut.de

zaterdag 17 september 2011

Wie erreichst Du Verlässlichkeit bei Deinem Hund?

Verlässlichkeit.
Das hat zu tun mit meinem Hund vertrauen (können), aber auch mit Müssen, mit Zwang.

Bei dem Wort stemmt sich innen schon etwas dagegen, man will kein Tyranne sein, keinen Zwang ausüben.

Du hast Deinem Hund mit viel Mühe und Geduld dasjenige beigebracht was wichtig ist im täglichen Leben: Sitz, Platz, Fuss, Komm und vielleicht auch noch viel mehr - und dann tut er es nur manchmal, oder auch nur manchmal nicht.

Das ist nicht nur lästig im Zusammenleben, sondern kann viel Ärger geben und sogar lebensgefährlich sein für Deinen Hund wenn er zum Beispiel auf eine befahrene Strasse zuläuft. Wenn er etwas größer ist und jemanden anspringt kannst Du das Ordnungsamt an den Hals bekommen und kann Dein Hund schon als gefährlich eingestuft werden, bis Du das Gegenteil beweist. Wenn er an der Leine andere Hunde anpöbelt und auch noch schwarz und/oder ein Schäferhund ist, wirst Du verpöhnt und vermieden und es dauert nicht lange bevor Du eine Liste hast mit allen Hunden aus der Nachbarschaft und den Zeiten an denen die Gassi gehen und gezwungen bist Deine Spaziergänge irgendwie dazwischen zu planen. Ableinen geht nur in sorgfältig selektierten Gebieten "wo nix ist" und "nix" bedeutet dann wahlweise andere Hunde, Wild, Radfahrer oder Jogger. Wo man aber erst hinfahren müsste, wofür man dann Zeit haben müsste. Dann kommt das Schuldgefühl: man müsste ihn eigentlich mehr auslasten. Eventuell auch noch die Enttäuschung: er ist nicht so wie man sich das gewünscht hat. Er weiss, dass ich es (nicht) möchte, aber er tut es doch (nicht).

Was ist schöner, als mit einem freilaufenden Hund unterwegs sein und zuschauen wie er Spass hat. Meine Lehrmeisterin Nadin Matthews sagte "wenn Du Deinen Hund ableinst, leinst Du gleichzeitig auch Dich selbst ab" - und wie wahr ist das. Was ist schöner als mit dem an-oder abgeleinten Hund harmonisch spazieren zu gehen.
Freiheit für beide - und für beide innerhalb von Grenzen. Wir sind verantwortlich für das Definieren der Grenzen denn das kann der Hund nicht.

Das Dilemma
Du befindest Dich in einem ernsthaften Dilemma: Du willst keinen Zwang ausüben, aber Dein Hund soll, wenn es Dir wichtig ist, zuverlässig auf Dich hören.

Der Weg
Es gibt einen Weg aus dem Dilemma!

Wahrscheinlich hast Du schon mehrere Wege ausprobiert. Du hast trainiert ohne Ende und geübt, geübt, geübt. Irgendwann muss es doch sitzen. Aber immer wieder machst Du die Erfahrung, dass wenn Deinem Hund etwas echt wichtig ist, er vergessen hat was er gelernt hat.

Der Weg ist: baue Brücken für Deinen Hund!

Die Lücke und die Brücke
In der Grundschule war Rechnen am Anfang schön. Wir zählten zusammen und zogen ab und es hiess auch noch einfach so. Im Chor sagten wir das 1x1 wie eine Mantra. Dann kam mein Vater auf eine Idee: wir sollten lernen unseren Namen zu tanzen. Wir wechselten die Schule und ich hatte auf einmal Mathematikunterricht. Die Klasse hatte schon eine Weile davor angefangen mit Brüchen. Ich wurde zum lebendem Fragezeichen. Ich hatte eine ernsthafte Lücke und keine Brücke um diese zu überqueren und den Anschluss zu finden. Der Rest zog weiter, ich zog Enid Blyton aus dem Schulranzen und bildete mich damit.

Die Lücke bei Deinem Hund besteht nicht aus Übungsmangel - es hat keinen Sinn noch mehr und immer wieder das 1x1 aufzusagen. Und darum ist mehr Übung von dem was er schon weiss für ihn auch keine Brücke - Du hilfst ihm damit nicht weiter.

Die Lücke beim Hund und unser Dilemma entsteht in unserem Inneren, mit unserem Gefühl und unserem Wunsch keinen Zwang aus zu üben und kein Tyranne zu sein. Und genau hier müssen wir anfangen und unsere eigenen Gefühle und Gedanken untersuchen. Weil wir oftmals Annahmen und Erwartungen haben, die ein Hund einfach nicht wahrmachen kann. Zum Beispiel weil sie vollkommen gegensätzlich sind.

Die Arbeit
Untersuche mal -nicht mitten im Konflikt sondern in einer ruhigen Minute- was Du eigentlich unter Zwang verstehst. Ist das Kadavergehorsam? Oder Verbindlichkeit? Was bedeutet Verpflichtung? Was bedeutet es für Dich? Wie gehst Du mit Verbindlichkeiten um bei der Erziehung Deiner Kinder? Wie würdest Du reagieren wenn Dein Kind auf der Strasse Leute anpöbelt oder sogar mit Steinen wirft? Später als abgemacht nach Hause kommt? Bei einem gemeinsamen Einkauf in der Stadt ohne zu fragen abhaut, Dich stehen lässt und sich mit seinen Leuten auf der Kirmis trifft? Siehst Du das auch als unerwünschten Zwang? Solche Reflexionen ins eigene Innere sind manchmal nicht einfach, aber führen Dich weiter. Führen Dich zu Einsichten und auf einmal machts wieder Spass. Und merkst Du, dass das mühsame, frustrierende Üben der gleichen Sachen sich erledigt hat. In Luft aufgelöst, überflüssig.

Lehrer und Schüler
Auch mit Hunden kann man zu Abmachungen kommen. Das ist was ganz anderes als trainieren und üben. In unserer Hundeschule liegt genau in diesem Gebiet der Schwerpunkt. Wie stehen wir zusammen? Wie und wo entstehen ungeschriebene Regeln? Wie sprechen wir miteinander und was sagen wir dann eigentlich zueinander? Und vor allem: wie baue ich Brücken für meinen Hund. Denn auch das Lernen vom Eingehen von Verbindlichkeiten muss aufgebaut werden. Von ganz klein ("wenn ich mit Dir spreche kann es nicht sein, dass Du mich ignorierst", bis ganz gross "da läuft der Hase aber der ist nicht von uns" oder "da läuft Digger und ja, das darf der" und "wenn wir zusammen unterwegs sind, lassen wir einander nicht einfach im Stich".

Wenn ich das nicht mache, mein Hund noch keine Ahnung hat was Verbindlichkeit bedeutet und doch erwarte, dass er "hört" wenn es drauf ankommt, gebe ich ihm Recht wenn er abhakt. Seine Enid Blyton hat er schliesslich immer bei sich und für die Brücke braucht er einen guten Lehrer - Dich!

vrijdag 22 april 2011

Zomervakantie NL

Attentie:
Kaarthouders moeten NU reserveren om zeker te zijn voor een plek in de zomervakantie!!!!!

vrijdag 15 april 2011

Online buchen für die Hundepension!

Ab sofort ist es möglich online für die Hundepension zu reservieren. Die Online-Formulare findet man unter "Reservieren" auf der Homepage!

woensdag 13 april 2011

Update Workshop Longieren mit Hund

Die Plätze für Mensch-Hund Teams sind ausgebucht. Für Zuschauer gibt es noch freie Plätze!

Update 23.4.2011: noch 6 Zuschauerplätze frei

dinsdag 12 april 2011

WORKSHOP LONGIEREN MIT HUND

WORKSHOP LONGIEREN MIT HUND
mit Sami El Ayachi
am 25. und 26. Juni 2011

Nähe durch Distanz und Freiheit durch Verlässlichkeit sind die Grundpfeiler der
Ausbildungsphilosophie von Sami El Ayachi. Beides ist durch das Longieren mit Hund
erreichbar.
Das Longiertraining ist eine einzigartige Möglichkeit, die Bindung und Kommunikation
zwischen Hund und Mensch herzustellen, zu verbessern und zu festigen.
In diesem Workshop lernt der Mensch u.a.:
- seinen Körper bewusster zu bewegen,
- die Wirkung seiner Körpersprache auf den Hund zu verstehen,
- seine Körpersprache zur Kommunikation mit dem Hund zu nutzen,
- die Bindung zum Hund zu verbessern,
- seinen Hund durch die menschliche Körpersprache zu leiten,
- dem Hund Grenzen und Tabuzonen zu setzen und
- die Körpersprache des Hundes zu erkennen, zu verstehen und zu nutzen.
In diesem Workshop lernt der Hund u.a.:
- den Menschen und seine Körpersprache zu verstehen,
- auf seinen Menschen und dessen Körpersprache zu achten,
- dem Menschen zu vertrauen,
- die Bindung zum Menschen zuzulassen,
- sich vom Menschen leiten zu lassen und
- Grenzen und Tabuzonen zu akzeptieren.
Sami El Ayachi ist Rechtsanwalt und Verhaltensberater für Hunde. Seit Jahren beschäftigt er sich
mit dem Longiertraining und hat diese Form der Kommunikation mit Hunden immer weiter
individualisiert und entwickelt. Durch die gezielte Schulung der menschlichen Körpersprache ist
es ihm gelungen, dass das Training ohne Motivationshilfen durchgeführt werden kann. Die
Motivation für den Hund ist am Ende der Mensch!
Sami El Ayachi ist für den Bereich Longieren mit Hund empfohlener Partner und Teammitglied
von www.dogument.de (Nadin Matthews).
Ort: Gelände De Hondenhut, Hülmer Deich 98, 47574 Goch
Zeit: an beiden Tagen 10.00 bis 17.00 Uhr.
Kosten: € 190.- pro Mensch/Hund Team (maximal 8 Teams)
€ 80.- pro zuschauende Teilnehmer (maximal 15 Zuschauer)
Anmeldung: 0173-5323473 oder info@hondenhut.de

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